Zigarettenspitze

Bei mir gibt’s heute Rote Bete (mit Feta) zum Abendbrot. Und da erinnerte ich mich an das Wort #Blutschlauch, das ich in einer sehr öden Folge Penny Dreadful aufschnappte. Es bekam meine vollste Aufmerksamkeit und Faszination – bis zum heutigen Tag.
Dazu wähle ich:
#Zigarettenspitze (weil ich von jemandem gehört habe, der es gern liest, wenn ich über rauchende Frauen schreibe)
#Pfeifenreiniger (eins der lustigsten Worte von der ganzen weiten Welt)

lange Einleitung für eine wirklich sehr kurze Geschichte… 🙂


„Ich komme wegen des Blutschlauchs. Er ist verstopft. Schon wieder.“ Emma fummelte den schrubbeligen Schlauch aus vergilbt-blutbraunem Kautschuk aus der Tasche ihrer Schürze und reichte ihn Viktor.
Viktor nahm ihn. Ohne ein Wort.
Es gab kein Grund für Worte. Für Viktor war es ein Job, ein Job wie jeder andere.
Bei diesem ging es darum, verkrustete Blutpfropfen aus Schläuche zu stoßen. Er fragte nicht warum, nicht wessen Blut, nicht irgendwas. Das liebte Emma.
Viktor tat seinen Job. Spannte den Schlauch zwischen zwei Eisenspangen, bereitete ein lauwarmes Bad aus Kernseife und suchte seinen Pfeifenreiniger. Damit ging es am Besten. Er hatte so viel ausprobiert, doch Pfeifenreiniger und Kernseife funktionierten perfekt. Auch bei besonders hartnäckigen Blutpfropfen.
Emma hatte Pause. Sie wusste diese seltene, freie Zeit wohl zu nutzen. Sie musste mal durchatmen. Sie liebte es durchzuatmen. Dazu hielt sie am liebsten zwischen Daumen und Zeigefinger eine Zigarettenspitze. Mit Zigarette.
Viktor hatte immer eine Hand frei, um Emma Feuer zu geben. Das war ihm wichtig. Eine liebgewonnene Tradition. Von Blutschlauch zu Blutschlauch. Von Pause zu Pause. All die Wochen.
Emma lächelte. Das gefiel Viktor. Ebenso wie es es ihm gefiel, wie Emma den ersten Zug ihrer Zigarette besonders gründlich durchatmete. Als wäre er das köstlichste Parfüm. Oder Bergluft. Das imponierte ihm. Er kannte wenige Menschen, die so leidenschaftlich Durchatmen konnten. Wie Emma.
Viktor kümmerte sich weiter um den verkrusteten Blutschlauch. Das war sein Job. Ein Job, wie jeder andere. Manchmal lies er sich einfach ein bisschen mehr Zeit, fertig zu werden.


So… ich hab langes Wochenende. Weiter geht’s am Dienstag. Neue Worte sind willkommen!

2 Replies to “Zigarettenspitze”

  1. Nach diese Geschichte kann ich gar nicht schlafen. In meinem Hirn spielen sich gerade furchtbare Szenarien ab, was für Blut das im Schlauch ist.
    Ich habe aber ein schönes Wort mitgebracht. Was hältst Du von
    Konfetti!
    Eins hab ich noch:
    Reliabilitätskoeffizient (Das war im Studium unsere Messeinheit für den Grad der aktuellen Trunkenheit…Wer es noch aussprechen konnte, konnte auch noch einen trinken 😉
    Und dann noch:
    Schweinenase (weil ich gerade auf eine Steckdose geguckt hab…)

    Ich freue mich schon so auf die Geschichte!

    1. Konfetti!! NATÜRLICH Witzig! nehm ich alle! Regina hat mir neulich mal einen ähnlichen mathematischen Begriff rübergeschoben. schau mal bei ‚miss verständnis‘. 🙂

      das mit der schlaflosigkeit tut mir leid. vielleicht zur beruhigung… auf dem foto ist’s bloß rote bete saft.

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