Zack, bumm, fertig mit Hundekot und Götterspeise

Die drei Worte heute:

#Mittagssonne (aus einer Sehnsucht heraus)
#Götterspeise (weil ich da gerade Lust drauf habe)
#Blumenkübel (weil mir einfach nix anderes einfiel)

Mir fällt dazu nichts ein. Ich sitze in der Mittagssonne vor meinen Tasten. Die Tasten des Laptops. Das tu ich oft. Vor meinen Tasten sitzen.
Also ich starre auf meine Tasten, die Tasten des Laptops. So wie immer.

Heute allerdings, nunja, wie soll ich es sagen? Ich bin leer. Total weggesaugt. Vom Leben. Von dem was passiert ist. Neinnein, das ist gar nicht depressiv gemeint. Im Gegenteil. Ich bin überaus glücklich. Leicht verschwommen, aber äußert vergnügt gestimmt. Es ist wie eine Art Verblüffung. Die mich allerdings auch ziemlich leer verblüfft hat. Denn ich finde in meinen Schreibreserven kaum Worte. Keine Worte für das was passiert ist. Der Wahnsinn…

Ich versuch’s:
Alles begann vor zwei Monaten. Als ich meine Freundin in ihrem kleinen Blumenladen besuchen wollte, klaffte dort, wo früher der Blumenkübel neben der Eingangstür stand, dieses riesige Loch. Was sag ich Loch, ein Krater beschreibt es gründlicher. Der Blumenkübel war fort. Genau wie die Eingangstür und die Grundmauern hinter dem Blumenkübel. Ich erkannte Reste der honiggelben Tapete.
Also ‚erkennen‘ ist ein großes Wort in Anbetracht der Umstände. Vielleicht trifft es besser: Weil ich wusste, was dort damals mal war, erahnte ich ehemalige Materie.

Lange Rede…
Also, an dem Tag mit dem Krater in der Wand, vor der früher ein Blumenkübel stand, neben eben dieser Eingangstür zum Laden, begann einfach Alles.

Aber was war eigentlich genau passiert?, fragte ich mich.
Die Antwort schokolierte mich. Überzog mich mit einem puren, süßen Glücksgefühl.

Meine Freundin hatte ihren Blumenladen in die Luft gesprengt. Sie sagte mir später, geplant sei nur der Blumenkübel gewesen. Doch aufgrund der falschen Dosierung des gewählten Sprengmaterials (eine Mischung aus gegorenem Hundekot und grüner Götterspeise) explodierten dazu noch die Blumenladen-Grundmauern inklusive honiggelber Innenwand.

Ein Versehen. Ein lustiges. Denn sie lachte, als ich ihr begegnete.

An dem Tag der Explosion fand ich sie auf dem Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen. Sie saß auf dem Trottoir, stützte ihre Hände auf die Knie und schüttelte sich vor Lachen. Ruß, Blütenblätter, einige Zweige und Knospen und natürlich auch honiggelbe Tapetenreste hingen ihr an Gesicht, Klamotten und Schuhen. Sie war über und über von dem Zeug.

Herrje, ich bemerke gerade, ich springe in meinen spärlich erklärenden Worten sehr hin und her. Ich bin immer noch außer mir, allein bei dem Gedanken daran.

Also meine Freundin:
Sie hatte es satt. Ihr Leben und ihre Arbeit. ‚Genug ist genug‘, stöhnte sie oft. Schon seit Wochen, immer mal wieder, ebenfalls schon seit Jahren. Das hätte mich aufmerksam werden lassen müssen. Hat es aber nicht. Im Gegenteil. Ich tat es als Schrulle ab. Eine, die man liebgewinnen konnte. »Genug ist genug«, sagt eine und jeder antwortet: »Jaja, red du mal!«
Das haben wir doch alle schon so gemacht.
Zack, bumm, fertig.
Das sie Ernst machen würde, das glaubte ich nie. Niemand glaubte das. Keiner ahnte es. Und dann eines Tages …
Zack, bumm, fertig…
…hat sie ihren Laden in die Luft gesprengt. Mit Hundekot und Götterspeise. Hundekot gab es in unserem Stadtviertel in Hülle und Fülle und Götterspeise war schnell gemacht. Grün. Rot. Sogar gelbe. Warum meine Freundin sich für grünes Sprengmaterial entschied? Nun, darüber sprachen wir nie.
Also meine Freundin hatte ihren Laden in die Luft gesprengt und dann änderte sich alles. Ihr Leben. Mein Leben. Aber das kann vermutlich jede Person nachvollziehen. Es ist auch sehr logisch. Selbsterklärend. Denn mal ehrlich… wessen Leben würde nicht eskalieren, wenn in unmittelbarem Freundeskreis ein Blumenkübel, gesprengt mit Hundekot und Götterspeise…

Oh… hey… was ist das? Wo will es hin? Ich muss weg. Hinterher. Ich brauch Hundekot! Schnell! Und wo ist die verdammte Götterspeise…

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