Sie blies das Horn der Stöpselkopfameise

Im Bienenschwarm war die Hölle losgebrochen. Das ist bis heute noch wortwörtlich zu nehmen. Die Erinnerungen daran sind grausam und lebhaft, doch ich verrate nicht zu viel wenn ich sage… eine schlaue kleine Biene fand ein Lösung für das drohende Verderbnis. Alles wird gut! Bitte bleibt ruhig. Doch diese Geschichte will erzählt werden.
Also erstmal: ja es war die Hölle los im Bienenschwarm nahe der bleichen Eiche. Es war nicht warm, es war heiß. Es war nicht himmlisch, es war Hölle! Gertrud, die diensthabende Paradenbläserin, tutete ins krumm verwachsene Horn der halbtoten Stöpselkopfameise. Sie würde eh bald verrecken, dachte Gertrud. Und so kannte die Paradenbläserin kein Partout und blies als gäbe es kein Morgen. Dieser war tatsächlich bedroht von den Geschehnissen der letzten Stunden und Gertrud wusste das.
Der Bienenschwarm war außer Rand und Band. Sie summten nicht, sie bebten, als Gertrud die Schreckensnachrichten im Bienenstock verbreitete.
»Das Met ist leer!«, rief sie immer und immer wieder. Nur unterbrochen für einen weiteren kläglichen Ton auf dem Horn der Stöpselkopfameise. Sie wehrte sich nicht.

Konnte es wirklich sein? Das Met leer, aufgebraucht, bis zum letzten Schluck?
Was sollten sie nur tun?

Erste Entzugserscheinungen machten sich breit. Die Flügel der Bienen zappelten, ihre feinen Stachel fuhren unkontrolliert ein und aus. Manche verletzten sich selbst. Andere weinten. Manche fielen in eine umgehende Depression, einer sehr schweren Form der Bienenschwarmdepression.
Doch eine Biene, eine ganz kleine, feine, süße, niedliche, zuckerfeine Biene meldete sich artig mit hoch erhobenen Flügelchen. Gertrud entging das selbst im Getümmel nicht.
»Was möchtest du kleine Biene?«, fragte sie.
»Ich möchte…«, stotterte die kleine Biene mit feinem Stimmchen. »Ich möchte daran erinnern, sehr geehrte Frau Paradenbläserin, es gibt noch die Tropfenfänger am Rande unseres famosen Bienenstockes. Sie wissen schon?«
Gertrud musste denken.
Die kleine Biene fasste weiteren Mut und sprach, ja beinahe schien es so, als sprudelten all ihre Ideen, die sie über viele Jahre vor der Welt verborgen hatte, heute aus ihr heraus. »Es hängen einige Tropfenfänger vor unseren Türen. Zahllos viele. Wir waren immer zu beschäftigt, sie ordnungsgemäß zu wechseln.« Sie wurde etwas rotorange. Denn das war eigentlich immer ihre Aufgabe gewesen. »Also, wir könnten jetzt alle reinholen und darauf tanzen, und die Tropfen aus den Tropfenfängern in den Waben sammeln. Schwupps…“ Sie klatsche einmal kräftig mit ihren kleinen Flügelchen. „Das dürfte locker reichen, um zu überleben, oder bis neues Met, also bis es halt fertig ist.«
Sie lächelte. Ihr rotoranges Köpfchen blickte zu ihren, mittlerweile verstummten, Freunden und Bekannten.
Gertrud blies ein letztes Mal in das Horn der mittlerweile verschiedenen Stöpselkopfameise und rief: »Wir machen es so, wie unsere kleine Freundin sagt! Trappelt los und zieht die Tropfenfänger herein… hurtig, hurtig.«

Nach einigen Stunden, die Waben waren tatsächlich voll geworden, kehrte Ruhe ein im Bienenschwarm an der bleichen Eiche. Vorerst. Denn wie ja allgemein bekanntsein dürfte… so ein Tropfenfängervorrat Met hält nicht ewig, sondern maximal drei Tage.

Die drei Worte von heute sind
#Tropfenfänger (von Frauke)
#Paradenbläser (von Christine)
#Bienenschwarm (von Sonja)

2 Replies to “Sie blies das Horn der Stöpselkopfameise”

  1. Also das war so richtig ergreifend und ich binganz verliebt in die kleine süße Biene mit dem rotorangenen Köpfchen und warte jetzt schon gespannt auf die näxte Geschichte, bis sie halt fertig ist

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