Mit freundlichen Grüßen aus Absurdistan

Vielen Dank, Axel, für Deine drei Worte:

#Kommunikationsdefizit
#Weltherrschaft
#Damentoilette

Schon lange fühlte ich mich nicht mehr so sehr verführt, eine Ein-Satz-Geschichte zu schreiben, wie durch diese drei super Worte. Es ist sehr verlockend… Nachdem ich zur Beruhigung die Titelmelodie von Dangermouse durch meine Küche ins Wohnzimmer gebrüllt habe, kam ich zu dem Entschluss: Kurz ja, aber bleib fair … eine ordentliche Kürzestgeschichte muss her. (Huch, ein Reim!)

Allerdings heute mit einer allumfassenden Vorsicht vor Worten: Nur für Mutige. Oder Verrückte. Oder mutige Verrückte. Irgendwas mit Wahnsinn darf gern dabei sein.

Ach, eins noch: Der/m aufmerksamen Leser_in wird es ohnehin auffallen. Ja… ich habe gerade tierisch Hunger und ziemlich Lust auf Sushi.

Lange Rede… kurze Geschichte:

Mit freundlichen Grüßen aus Absurdistan

Bento griff sich noch eine weitere Portion von der Weltherrschaft. Nachschlag Nummer drei. Maki lächelte und strich ihm behutsam über seinen imposanten Lockenkopf.
Sie mochte es, wenn er so voller Lust von dem probierte, was sie ihm mit Liebe und Hingabe bereitete.

Weltherrschaft? Zugegeben, das ist kein einfaches Unterfangen. Das bereitet mensch nicht mal eben so zwischen morgendlicher Duschhygiene, Zahnprothesenanpassung, Blinddarmoperation und Kinobesuch. Nein, nein! Weltherrschaft ist komplex.

Schon die Zutatenbeschaffung erledigt sich nicht durch einen Einkauf im Discounter. Auch online ist da nichts zu finden. I wo! Da bereist mensch Länder, Kulturen, andere Welten. Oder so. Das dachte Maki zumindest noch heute früh. In jedem Fall, da war sie sich sicher, braucht es Inspirationen und eine kleine gehörige Portion Wahnsinn. Davon allerdings hatte Maki genug. Also vom Wahnsinn und von der Inspiration. Konnte also im Grunde nichts schiefgehen.

Sie schnallte sich ihre grünen Rollschuhe fest und düste los. Denn sie war sowas von ready ihrem Bento die Weltherrschaft zu bereiten. Heute so richtig! Mit allem drum und dran.
Sie startete natürlich in einer Wüste kurz vor Berlin. Leider fand sie da nur Sand. Was hat sie auch erwartet? Trotzdem nahm sie eine Schippe voll mit, denn man weiß ja nie!

Sie brauste weiter. Knappe 3.921 Kilometer von da wo sie gerade stand. Ein Katzensprung. Schön hier, dachte sie und nahm eine Prise ‚Dies‘ und eine Packung ‚Davon‘. Zurück ging es über die Berge. Dort kaufte sie Käse und Schokolade. Nie verkehrt zu Weltherrschaft, dachte Maki.
Den passenden Wein fand sie durch Zufall schon etwas vorher an einer freien Tankstelle kurz vor Kairo. Sie wollte sich unbedingt daran erinnern, ihn zu dekantieren vor dem Servieren.

Sie besah sich ihre bisherigen Weltherrschaftsingredienzien und empfand es als wenig zufriedenstellend. Die Zeit wurde langsam knapp.

Doch da – welch eine verrückte Wendung – begegnete ihr ein Mann mit Hut.
»Schönen Guten Tag, wehrte Frau!«, sagte der Mann und hob seinen Hut. »Mein Name ist Nigiri.«
Ulkiger Name, dachte Maki, lies sich aber nichts anmerken. Sie schüttelte seine Hand und bewunderte seinen Hut.
Nigiri fuhr fort: »Ich bin der dies-erdische Vize-Weltherrschaftsbeauftrage. Ich hörte von ihrem Bestreben, selbiges einem gewissen Herren zu kredenzen? Jemand Speziellem oder im Allgemeinen?«

Maki stutzte. Sie verstand kein Wort. Er sprach irgendwie komisch und für Maki äußert unlogisch. Er musste verrückt sein oder vielleicht krank.

Ja, dieser Mann musste definitiv aus Absurdistan kommen. Davon hatte sie viel gehört. Nicht unbedingt Gutes, aber auch nicht sonderlich Schlechtes. Insgesamt viel zu neutral, um verständlich zu sein. Trotzdem… um diesen sagenumwobenen Ort, tat sie tunlichst einen großen Bogen.

Aber wie sollte sie ihn jetzt wieder loswerden? Diesen Nigiri. Er wirkte bedrohlich, mit seinem Hut und seinem Namen und all seinem Gerede.

Doch da – zum Glück eine weitere verrückte Wendung. In einem Affenzahn rollte eine Frau herbei. Auf blauen Rollschuhen, was Maki durchaus und auf Anhieb sympathisch war. Sie bremste scharf. Kieselgrieß-Bremsstaub schoß an Maki vorbei und bohrte winzige Löcher in Nigiris Hut.

»Oshi mein Name. Glauben Sie diesem Mann kein Wort!« Mit langem Arm und noch längerem Finger zeigte sie auf den Mann und seinen Hut.

»Ach«, sagte Maki.
»Ach was«, sagte Nigiri.

»Jawohl, unbekannte Freundin auf grünen Rollschuhen. Er redet von Weltherrschaft und irgendwann von Blumen. Doch alles was er Ihnen einbringen wird, ist ein Kommunikationsdefizit und anderes Verderben! Glauben Sie mir.«

»Wie jetzt? Nigiri?«, fragte Maki.
»Nigiri!«, antworte Oshi.

Maki glaubte ihr. Kein Zweifel. Sie selbst hatte da ja bereits diese schwierigen Schwingungen vernommen.

Nigiri verschwand.

Die beiden Frauen setzten sich auf eine Mauer und ließen ihre Beine über den Boden baumeln.
»Aber was jetzt, Oshi? Es sollte heute Abend Weltherrschaft geben. Hier… hab schon fast alles…Käse, Schokolade, Wein…« Maki öffnete ihren gefüllten Beutel und Oshi sah hinein.
»Das ist wirklich ein guter Anfang. Den Rest werde ich Ihnen verraten. Ich habe dafür leider keine Verwendung mehr.« Oshi schaute traurig auf den Kieselgrießboden unter ihren Rollschuhen.
»Das Kommunikationsdefizit?«, fragte Maki, denn sie ahnte es.
»Ja«, Oshi schluchzte leise. »Es hat uns voll erwischt, mich und meinen Geliebten.« Sie zog tüchtig ihre Nase hoch und es schien als würde sie alle Trauer durch heftiges Zucken von ihren Schultern schütteln wollen. »Nun gut!«, sagte sie nach einer Weile und klopfte sich auf die Knie. »Hilft ja alles nichts. Kommen wir zu Ihnen und Ihrer Weltherrschaft, liebe Freundin. Aber nicht hier…«

Oshi sah sich suchend um. Maki tat es ihr gleich. Welcher Ort schien angemessen zu sein, für so ein wichtiges Ding? Hm.
Ja das wäre gut, dachte Maki und fragte: »Damentoilette?«
»Damentoilette!«, antwortete Oshi erleichtert.

Sie rollten los.

Ungefähr 367 Sekunden später, wusch sich Maki gedankenverloren die Hände unter fließend lauwarmen Wasser.

Oshi war bereits 23 Sekunden vor ihr wieder nach Hause gerollt. »Um zu reden, was zu reden war«, sagte sie zum Abschied.

Fassungslos starrte Maki zu ihrem Spiegelbild.
»So einfach?«, murmelte sie. »So einfach?«, wiederholte sie.

Sie grinste, rollte ebenfalls nach Hause und dekantierte als erstes den Wein.
Die Weltherrschaft war anschließend schnell bereitet.

Tja, und so, später am Abend, griff Bento ein sageundschreibe viertes Mal zu. Maki lächelte und strich ihm behutsam über seinen imposanten Lockenkopf.

 

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