Herzschlag im Tastenanschlag

Ich schreibe nicht mehr. Habe mich selbst abgehängt. Zwischen den Zeilen, noch vor den anderen Poeten, den Künstlern, den Lebenden. Ich liege neben den Worten, die mir so vertraut waren und bleibe hinter all dem Erlebten zurück.
Ich schreibe nicht mehr. Habe keinen Anfang und kein Ende. Ich fühle nichts, außer Trauer über den Verlust der Sprache, während dem täglich nötigen Tastenanschlag, der so dahin fliegt im Tagwerk, der mir sonst immer ein Herzschlag war. Nichts. Ich höre ihn nicht mehr. Ein treuer Beweis, dass ich lebendig war.
Ich schreibe nicht mehr. Nur weniger. Nicht das, was ich sagen will, weil ich das nicht weiß. Ich habe keine Ahnung von dem was aufgeschrieben werden könnte. Ich mache Steuererklärungen und Rechnungen und wische die Küche mit neu gekauften Lappen und melde mich beim Finanzamt an und ab und an und ab und subtrahiere. Ich nehme minus und mir übel, was übrig ist.
Ich schreibe nicht mehr. Ich lese. Was kein Trost ist. Das tut weh. Denn ich weiß, was mir fehlt, was ich verloren habe und jetzt so sehr vermisse.
Wörter. Meine eigenen Wörter. Meine Sprache. Meine Stimme.

Anderen gebe ich Ratschläge: »Schreiben ist der beste Weg, wenn Mensch nicht schreiben kann. Machen ist besser als Wollen. Können kommt danach.«
Und jetzt… versuche ich Überwindung zu finden, es selbst zu tun. Wieder. Einfach. Machen.

Nebenbei, also für das übrige Leben, habe ich Mut getankt in den letzten Wochen, gleich wie Waldduft. Ich habe ein neues Leben geübt, weil ich das musste und ich habe gefallen daran gefunden. Wild und imposant. Und jetzt hänge ich hier und langweile mich, ob all der Wahnsinnsmöglichkeiten. Denn alles was mir fehlt, mir wirklich so sehr fehlt, ist das Schreiben.
Eine Erkenntnis die jedwedes andere Engagement bremst.

Also. Es bleibt nur eins zu tun.
Ich schreibe wieder. Ab heute. Ab jetzt. Der Herzschlag im Tastenanschlag ist noch schwach, aber da. Ich lebe.

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