Gleich drei kurze Kürzestgeschichten für Elisa, Lara und Livia

Die eigentlich geplante Geschichte muss warten. Heute gibt es Wichtigeres.

Aus einer Autofahrlaune heraus… hier gleich drei Geschichten:

Elisa (6 Jahre) wünscht sich die drei(dreiviertel) Worte:
#Mozzarellakind
#Häschen
#HaltdeinMaul

Lara (11 Jahre) wünscht sich die drei Worte:
#Training
#Wald
#Katze

Livia (10 Jahre) wünscht sich die drei Worte:
#Einhorn
#Strand
#Sonnenuntergang


Für Elisa:
Eine Party für Frau Sesselschmitt

Die Nachbarin Frau Sesselschmitt glotzte aus ihrem Küchenfenster in den Innenhof der Siedlergasse 49b bis f. Es war ein sonniger Tag. Sie hatte üble Laune. Nicht unüblich für einen Mittwoch. Doch heute war es schlimmer als gewöhnlich. Deshalb brauchte sie dringend einen tüchtigen Blick in ihren Innenhof.
Aber die Nachbarskinder waren nicht da – wie sonst – und niemand tobte im Hof – wie sonst. Das störte Frau Sesselschmitt ungemein.
Sie motzte: »Ne, ne, ne… das kann doch wohl nicht war sein! Kein Schreien, kein Rennen, kein Lachen. Ich halt’s im Kopf nicht aus. Wo kommen wir denn da hin? Ist das hier ein Innenhof oder ist das hier ein Innenhof?« Sie holte tief Luft um fortzufahren: »Das kann doch wohl nicht wahr sein!«
Das hörte zum Glück das Häschen von Nebenan. Es kam direkt herangehoppelt und setzte sich unter das Küchenfenster von Frau Sesselschmitt neben eins der gelben Stiefmütterchen.
»Hallo Frau Sesselschmitt, was ist? So kenn ich dich ja gar nicht. Bist du etwa ausgerechnet heute schlechter drauf als üblich?«, rief es hinauf zum ersten Stock.
Frau Sesselschmitt antwortete:»Ne, nicht mehr als sonst! Aber wo sind die Kinder? Es ist Mittwoch, ein sonniger Tag….also wo sind die Kinder?«
Das Häschen hoppelte verlegen von einem Bein aufs andere, schielte gierig auf eins der gelben Stiefmütterchen. Es brauchte jetzt eigentlich dringend einen kleinen Bissen, zur Beruhigung, um cool zu bleiben.
Frau Sesselschmitt entging das nicht.
»Häschen, friss lieber mehr vom Gemüse aus den Schrebergärten zwei Straßen weiter. Stiefmütterchen sind nicht gut für dich.«
»Nur eins, ein gelbes bitte…es ist dringend.«
»Nein!« Da blieb sie beharrlich. »Und nun sag, wo sind die Kinder?«
»Also es ist so, Frau Sesselschmitt, also ähm…«, stotterte es. Es durfte sich jetzt doch nicht verplappern, das war der Plan.
Da kam Mo, Mo Zarella aus Haus Nr. 49c, und pfiff und hüpfte und war gut gelaunt. Frau Sesselschmitt atmete auf.
Mo stoppte sein Pfeifen als er mitten im Innenhof stand. Ungläubig schaute er sich um:
»Wo ist der Kuchen, die Party und das Konfekt? Hey, Leute, es ist Mittwochnachmittag… wie abgemacht…«
»PSSSSCHT«, zischte das Häschen. »Halt dein Maul, du Mozzarellakind! Das ist doch eine Überraschung, ey!«
Mo wurde rot und konnte gar nichts sagen.
»Überraschung?«, fragte Frau Sesselschmitt und wusste kaum wie ihr geschah als plötzlich alle Kinder aus der Siedlergasse 49b bis f den Innenhof stürmten. Sie brachten Kuchen und Konfekt und Luftschlangen für eine tolle Party für Frau Sesselschmitt und ihren übellaunigen Mittwoch.


Für Lara:
Team Grün oder Team Katze

Chantal, aus dem Team Grün der Karateschule ‚Immer kräftig auf die Rübe‘, war spät dran. Oh nein, dachte sie, nicht schon wieder! Sie hatte – wie so oft in den letzten Tagen – getrödelt und so viele Dinge zu tun und irgendwie dann doch schon wieder die Zeit verpennt.
Die einzige Chance überhaupt noch annähernd rechtzeitig zum Training zu kommen, war die Abkürzung durch den nahegelegenen Wald. Sie überlegte kurz und hoffte auf eine Alternative, aber nein… sie musste diese fürchterliche Abkürzung nehmen.
Naja, hilft ja nix, dachte sie, schulterte ihren grünen Rucksack und rannte los. Sie war top in Form. So ein Sprint machte ihr gar nichts. Unangenehm war halt nur der Wald. Da gab es fürchterliche Geschichten, von denen sie wusste. Sie wollte nicht dran glauben, aber nunja… die Zweifel kamen von ganz allein.
Und tatsächlich:
Kurz vor der kleinen Eiche, direkt neben der defekten Buche, schräg gegenüber von der knorpeligen Kirsche musste sie stoppen. Mitten im Weg: Eine Katze. Eine kleine, pummelige, mürrisch blickende Katze versperrte ihr den störungsfreien Durchlauf zum Training, das in wenigen Sekunden begann.
Eigentlich liebte sie Katzen, aber die… die schaute wirklich fies aus, als wolle sie sie fressen.
»Hey du!«, rief Chantal. »Platz da! Ich muss da durch!«
»Miau!«, fauchte das fiese Tier.
Es ist doch nur einen Katze, dachte Chantal, um sich selbst zu beruhigen, und wollte einfach mutig vorbei.
Ja Pustekuchen! Daraus wurde nichts.
Die Katze setzte an zum Sprung.
Doch zum Glück war das kleine pummelige Tier eben nicht besonders gut in Form. Noch vor dem Anlaufnehmen, keuchte sie nach Luft, presste sich eine Pfote an ihre rasselnde Brust und musste sich erstmal setzen.
»Miau…«, flüsterte das Tier.
Das ging ans Herz. Auch Chantal berührte das sehr.
»Ach je, du kleiner süßer Stinker…«, sagte sie zärtlich und beugte sich zum immer noch japsenden Tier.
Die Katze schaute skeptisch als Chantal ihre Hand nach ihr ausstreckte. Doch da war so ein Instinkt. Ganz tief in ihr drin. Sie schnüffelte und was sie roch, gefiel ihr, rieb sie doch gleich ihren Kopf an Chantals Hand.
Alles was die Katze da noch sagen konnte war: »Miau«
Arme kleine Katze, dachte Chantal.
Miau, miau, dachte die Katze und schnurrte zufrieden.
Das reichte Chantal. Sie war endgültig verzückt, für immer und ewig. Sie vergaß die Zeit und setzte sich, kurz vor der kleinen Eiche, direkt neben der defekten Buche, schräg gegenüber von der knorpeligen Kirsche zu dieser kleinen, süßen Katze in das Gras.
Vergessen war Team Grün und Karate. Was jetzt zählte war Schmusen und Team Katze.


Für Livia:
Hells Bella

Frieda, das Einhorn, hatte die Nase gestrichen voll. Glitzer hier, Glitter dort, Regenbogen überall. Und immer diese Sprüche. Einhorn hier, Einhorn dort, Einhorn überall, ach, wäre die Welt doch nur ein Einhorn.
Oar, dachte Frieda. Wirklich, es gab auf der ganzen weiten Welt keinen einzigen Einhornspruch, den sie nicht kannte. Und sie hasste sie alle.
Sie blickte in den Spiegel. Grundsätzlich war sie weiß. Nicht schlecht, fand Frieda, sogar sehr schön. Doch ihre Mähne war einhorntypisch rosa mit ein bisschen bunt. Ausgerechnet, dachte sie, rosa mit bunt, die schlimmste, weil normalste Sorte Einhorn.
Sie wünschte sich nichts mehr, als einmal nicht rosa zu sein. Eine rabenschwarze Mähne, das wär’s. Oder zumindest mitternachtsblau, das wär ein Kompromiss. Aber nein, sie war rosa mit ein bisschen bunt.
Oar, dachte Frieda schon wieder.

Da brauste Fritz auf seinem Moped vorbei und bremste scharf. Fritz war eins dieser Wildpferdponnys und fuhr grundsätzlich ohne Helm. Verwegen, dachte Frieda.
Fritz jobbte beim Zirkus und hatte schon die ganze Welt gesehen. Nicht verwunderlich also… Frieda fand Fritz super.
»Hallo Bella!«, rief er.
Oh, wie Frieda es liebte, wenn er sie so nannte.
»Wie geht’s, wie steht’s? Alles Zuckerwatte, du Schöne?«
»Ach du!«, sagte sie verlegen und versuchte, ihre rosa Mähne ein wenig zu kaschieren.
Fritz sah nicht nur super aus, er hatte auch ein ausgeprägtes Verständnis von Romantik und war grundsätzlich sehr einfühlsam. Besonders bei allem was Frieda betraf. Er merkte natürlich sofort, dass sie gerade etwas schwer beschäftigte.
»Komm, Süße… spring auf. Wir fahren jetzt zum Strand.«
Frieda zögerte keine Sekunde und nahm hinter ihm auf seinem Moped platz.
Was ein wilder Ritt. Leider sehr kurz. In Nullkommnix waren sie am Strand, hockten sich in den Sand und schauten über das glitzernde, weißschäumende Meer.
Frieda seufzte. »Typisch, überall wo ich bin… Glitzer. Ich halt’s nicht aus.«
Fritz strich Frieda durch ihre rosa Mähne und lächelte sein schönstes Lächeln.
»Weißt du gar nicht wie praktisch es ist, dass du ein Einhorn bist? Ich wäre gern wie du. Ehrlich. Ich würde mein Moped dafür geben.«
Frieda verstand kein Wort. Wie konnte ein so beneidenswert schönes Wildpferdponny sich wünschen, ein gewöhnliches Einhorn zu sein? Undenkbar.
»Du hast ja keine Ahnung!«, seufzte sie.
»Doch, doch, meine Liebe… nur mal ein Beispiel: Du kannst pupsen und kotzen und niemanden stört es. Alle rufen bloß…’Oh schau… ein Regenbogen mit Marshmallowduft’.«
Frieda lachte.
»Ach Frieda, was du denkst und wer du bist, hat ja nichts mit der Farbe deiner Mähne zu tun. Du kannst im Herzen immer eine rabenschwarze Hells Bella sein. Und hey, du kannst pupsen und kotzen wann und wo immer du willst.«
Beide lachten, hielten sich bei den Hufen und schauten gemeinsam in den Sonnenuntergang.

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