Extravagantes Fauchen

#extravagant #fauchen #eichhörnchen

Wie schön das wär, wenn wir uns so Einiges aus der Tierwelt abkupfern könnten, sagten N. und ich heute bei einer Zigarette im Garten. Also ich rauchte, N. nieste derweil in ihren Ingwertee.
»Was zum Beispiel?«, fragte N..
»Naja, auf jeden Fall das mit dem Zwischenmenschlichen, der Umgang mit und Ausdruck von Gefühlen.« Die Antwort schien mir logisch, nach all dem, über was wir uns in den letzten Tagen so unsere Gedanken machten.
»Sag mal konkret«, sagte N..
Das finde ich ja übrigens immer so besonders toll an N., sie will immer alles ganz genau wissen. Da verpufft nie was im Ungesagten. Bei ihr findet jede Idee, egal wie spinnert, einen Wert. Voll gut ist sowas.
Ich überlegte für eine möglichst konkrete Antwort und zog an meiner Zigarette. N. pustete die eisige Dezemberkälte über ihre Teetasse und wärmte ihre Hände an der heißen Keramik.
»Weißt du, stell dir doch nur mal vor, du könntest immer deine Meinung sagen, wenn dich was ärgert, du dich verletzt oder angegriffen fühlst. Als Tier müsstest du es nicht mal sagen…du kannst fauchen, oder kämpfen.“
„Naja, prügeln kannst du dich jetzt auch. Und fauchen kannst du bestimmt auch sehr schön.“ N. war noch nicht vollends überzeugt, machte aber zur Untermauerung ihres Einwands lustige Fauchgeräusche.
„Okeh, anderes Beispiel. Stell dir vor, du könntest einem Mann, denn du plötzlich total heiß findest, einfach sagen, hey du ich find dich super, lass mal knutschen, vielleicht sind wir füreinander bestimmt. Ganz einfach so… ohne dir vorher tage- und nächtelang zu überlegen, ob du seine Zeichen richtig deutest oder nicht. Und ob da überhaupt Zeichen sind… und… ach, du weißt schon…« Ich seufzte.
N. überlegte und zog die Nase hoch.
 »Oar, das könnte ich nie«, sagte sie dann.
»Siehst du… ich auch nicht. Darum ja…«
N. nickte.
»Und weißt du warum das auch eigentlich nur so beschissen schwer ist,… weil wir eine Abfuhr befürchten. Er sagt sowas wie: Nee, du, ich find dich doof, hässlich, langweilig-«
»Und dann ist der hinterher so richtig fies zu dir, meidet dich, macht sich lustig-«, sagte N..
»Oder glotzt dich danach immer so mitleidig an, als wärst du unheilbar liebeskrank.«
Wir nickten vor uns hin.
»Und stell dir jetzt mal vor, du wärst ein Eichhörnchen…«
N. kicherte, etwas Ingwertee schwappte bedrohlich an den Tassenrand.
»Ja stimmt, einem Eichhörnchen wär‘ das egal. Es würde einfach etwas extravaganter als die anderen Tage über die Äste hüpfen und wenn der Eichhörnchentyp nicht reagiert, wird der halt abgehakt und ein neues Ziel gesucht…«
»Zackbummfertig«, sagte ich.
Wir lachten.
»Und wenn das jemand mit dir machte? Also einfach vor dir steht und dir sagt, was Sache ist? Wie würdest du reagieren?«, fragte N.
Ohmensch, dachte ich, N. stellt wirklich kluge Fragen.
Ich brauchte ein bisserl für die Antwort, aber dann war es mir ganz klar. »Schön wär’s«, sagte ich.
»Hach. Schön wär’s«, sagten wir beinahe gleichzeitig noch einmal gemeinsam und machten uns weiter unsere Gedanken und suchten in den Bäumen nach extravagant fauchenden Eichhörnchen. Wir fanden keine.

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