Erstes Drittes Date nach vielen Jahren – (FSK: Obacht, bitte und Vorsicht vor Worten)

#Date
#1FCKöln
#Wüste

Diese Worte kommen von Jennifer K. Danke! Das zu schreiben, hat mir furchtbar Spaß gemacht.
Vorsicht vor Worten: Ich werde in dieser kurzen Geschichte gefühlt 500 Millionen Mal das Wort ‚Vagina‘ verwenden. Also Obacht bei empfindlichen Gemütern.

Erstes Drittes-Date nach vielen Jahren

Als ich am vergangenen Samstag meinen großen Schlafzimmerspiegel zerschmiss, wusste ich: Kein gutes Omen. Ich googelte und war mir schließlich sicher, mein Schicksal war verbrieft und besiegelt. Denn Google meinte, ein zerbrochener Spiegel bedeute: sieben Jahre schlechter Sex oder Unglück. Nun, dachte ich … käme ja beides aufs Gleiche raus, also egal, werd’ ich schon rumkriegen, irgendwie.
Blöd nur, dass ausgerechnet an diesem Samstag mein erstes drittes Date nach einer gelebten Ewigkeit anstand und der Typ mit dem ich es plante, schon beim zweiten Date eine eher ungemütliche Herausforderung für mich war. Eigentlich war er kein drittes Date wert, sagte mein Bauchgefühl. Thea meinte aber: »Bring’s endlich hinter dich… wird nicht besser, je länger du wartest. Und dann doch lieber mit einem Blödmann. Dann passiert deinem Herz wenigstens nix.«
Thea ist in so Beziehungsdingen wirklich eine kluge Frau. Ich vertraute ihr also und wollte über meinen Schatten springen. Vielleicht wäre Theas Rat ein anderer gewesen, wäre sie bei der Horrorshow des zweiten Dates live dabei gewesen.

Ostern war’s. Ein Antikmarkt am Schokoladenmuseum in Köln. Es war das erste Mal, dass wir Zeit mit Reden und nicht mit Knutschen verbrachten. Wir schlenderten also so über diesen wunderschönen Markt. Schauten hier, glotzten da. Hielten uns an den Händen. So weit – so romantisch.

Dann entdeckten wir einen Stand einer alten Holländerin. Eine wunderschöne Frau mit besonnenen Gesten und feiner Mimik. Ich spürte direkt, sie liebte was sie tat, liebte all ihre Schätze und freute sich aufrichtig mit den Menschen, die bei ihr einen Schatz fanden und mit nach Hause nahmen. Er, dessen Name ich nicht verraten möchte, entdeckte an ihrem Stand antike Bleistifte. Sie gefielen mir sehr. Ich besah sie mir genau und verliebte mich. Plötzlich grabschte er sich einen, stolzierte damit wie ein aufgeblasener Gockel zu der Holländerin. Ich ahnte Schlimmstes und wurde doch noch überrascht.

»Wieviel?«, rief er, als sei sie schwerhörig und rieb seinen Daumen und Mittelfinger wild gegeneinander. Er ließ sie nicht antworten. »Meine Süße hier ist Schriftstellerin und ich werde ihn ihr schenken. Machen Sie mir einen guten Preis!«

Vermutlich wurde ich rot, ganz sicher wollte ich auf der Stelle sterben. Ich blickte verstohlen auf die restlichen armen, schönen Bleistifte in dem Kästchen und entdeckte das Preisschild. Ein Euro kostete der antike Stift. Da war es schon passiert.

Ich hörte nur noch wie er sagte: »Gut, ich gebe Ihnen 50 Cent!«
Meine Vagina fröstelte. Nichts ist unsexier als ein unverschämt geiziger Mann, der den wahren Wert von kleinen Dingen nicht erkennt. Das dachte ich zumindest an diesem Tag, also das nichts unsexier sein konnte. Wieder sollte ich überrascht werden.

Samstag, nachdem ich den Spiegel zerbrach, waren wir noch mal aus. Weil Thea das mit dem Blödmann und meinem Herzen sagte. Und ich hoffte inständig, sie hatte recht.

Wir waren in einer Bar in Köln. Tranken etwas, aßen etwas. Er wollte keine Kohlehydrate, denn er machte Diät.
Meine Vagina so: »Oar neee!«
Meine kleine Theastimme im Ohr: »Bleib tapfer!«

Er machte ein paar anzügliche Bemerkungen, wie denn dieser Abend enden würde. Und dass Vorfreude ja die schönste Freude sei.
Meine Vagina: »Whaaaaat?« Ich dachte an meinen zerbrochenen Spiegel und das damit verbundene Google-Omen. Der sieben Jahre schlechte Sex schien leibhaftig vor mir zu sitzen.
Die Theastimme versuchte, mich zu beruhigen: »Warte doch erst mal ab!«

Er redete weiter. Ohne Punkt und Komma. Über seinen Job (ist mir doch scheißegal, was er beruflich macht, hat er keine Hobbies?), über seine Ex (boah fies, wie er über sie lästert). Und plötzlich erzählt er mir von seiner einzigen wahren Liebe: Fußball! Und er verfiel in emsiges Schwärmen über das letzte Heimspiel des 1. FC Köln. Alles in mir schrie nach Flucht.
Meine Vagina brüllte: »Renn!« Sowas hatten wir schließlich gerade hinter uns.
Thea schwieg.

Meine Gedanken resümierten. Ich stellte mir vor, wie sich dieser Mann, der – zugegeben – wirklich genial Knutschen konnte, in rot-weißen Boxershorts, auf meinem Bett rekeln und mich zu sich winken würde. Ich hörte, wie er so unerklärlich grölende Laute beim Orgasmus ausstoßen würde, lang bevor ich soweit wäre, es überhören zu können. Ja, ich sah sogar sein höchstwahrscheinlich zur Fratze verzerrtes Orgasmusgesicht vor mir.

Diesen Mann, der da saß und laberte und sich über nichts Gedanken machte, der mich nicht sah oder ansah, den wollte ich nicht mit in mein Zuhause nehmen.
Ihm wollte ich mich gar nicht mehr zeigen, geschweige denn meine Zunge in den Mund schieben. Vorbei!

Es war nunmal das erste dritte Date nach vielen Jahren. Etwas besonders. Vielleicht ist das übertrieben, also meine Vorsicht. Aber ich habe wirklich Bedenken davor. Fällt mir alles nicht leicht gerade, um mal ehrlich zu sein. Beim letzten dritten Date war ich 25 Jahre jung oder so, alles straff und schön und an der Stelle, wo es anatomisch vorgesehen ist. Diesen Mann hab ich  damals geheiratet. Die vielen letzten Jahre sind wir zusammen alt und runzelig geworden.

Jetzt hier: dieser Typ! Der erste fremde Mensch, den ich an mich ranlassen wollte. Nein. Nicht ihn. Ich war mir sicher – Thea hin, Thea her!
Meine Vagina jubelte.

Mein erstes Mal mit einem neuen Mann muss mit jemanden sein, der mit mir reden kann, dem ich hätte sagen können, was ich in diesem Augenblick dachte und vor was ich Befürchtungen habe und der wohl-gesonnen, mit mir in meinen gemütlichen Einsvierzig liegt und meine ätzende Unsicherheit einfach weglächelt.

Ich hörte, wie ich diesem Vollpfosten, der mir da gegenüber saß, ins Wort fiel: »Meine Vagina trocknet übrigens völlig aus bei Gesprächen über Fußball.«
Er wurde ziemlich bleich. Am Nebentisch hustete ein Mensch.
Ich nippte noch ein letztes Mal an meinem Gin Tonic.
»Jetzt zum Beispiel: Wüste Gobi, untenrum!«

Ich stand auf, ging nach Hause und klebte meinen zerbrochenen Spiegel mit Packband zusammen.
Mehr gibt es über mein erstes drittes Date nach all den Jahren, eigentlich nicht zu berichten.

 

 

 


Aus Erfahrung… hier ein wichtiger weiterführender Informationslink bevor da jetzt noch Panik aufkommt: *Über dies hier*


*update 20:51 Uhr: und dann kam von Johanna ein ziemlich passender Soundtrack:

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