Eine sehr langweilige Geschichte über zwei, die sich nichts mehr zu sagen haben

Drei Worte kamen per Mail von Fedel: #Zahnbelag #Nase #Nacht

Eine sehr langweilige Geschichte über zwei, die sich nichts mehr zu sagen haben.

Das Abendglühn tropfte bedrohlich rosa über uns herein. Als wir da saßen. Und Hände hielten. Und nichts weiter.
Ich sang: »Hinterm Horrorzont geht’s weiter, ein neuer Schlag, hinterm Horrorzont immer weiter, zusammen sind wir…« Ich stockte und überlegte, denn mir fiel kein passender Reim ein… auf ‚Schlag‘.
»Horrorzont… witzig! Udo Lindenberg?«, fragte er.
Dass er das überhaupt fragen musste, dachte ich und schwieg einen Moment. Ich drückte meine Hand fester in seine. Bis es schmerzte. Mich mehr als ihn.
»Ja, ich cover jetzt. Mehr bleibt halt einfach nicht übrig«, sagte ich und wusste, er würde es nicht kapieren. Wie er nie etwas kapierte, wenn wir da so saßen, im bedrohlichen Abendglühn und Hände hielten und nichts weiter.
Ich war müde, ich erinnere mich so genau, denn das war das einzige was ich war. Nicht wütend, nichtmal traurig. Einfach müde. Meine Hand drückte ich noch fester in seine, bis meine Fingerknöchel jede Farbe verloren.
Er schwieg. Einen Moment.
Dann sang er: »Hinterm Horrorzont geht’s weiter, ein neuer Schlag, hinterm Horrorzont immer weiter, zusammen sind wir Zahnbelag! Haha!«
Er freute sich.
»Ja, da hab ich auch dran gedacht, passt aber irgendwie nicht so ganz in die Melodie, findest du nicht auch?« Ich zog meine Nase kraus, wie ich das halt immer so tu, in solch fraglichen Situationen.
Er lächelte. Ich drückte meine Hand schnell noch ein bisschen fester in seine, bis sie ganz taub wurde. Endlich.
Und ich schaute ins Abendglühn.
Und ich spürte seinen Blick auf mir.
Und ich spürte meine Hand nicht mehr.
Und da kam mir eine Idee.
»Lass uns gehen!«, sagte ich.
»Wohin?«, fragte er.
»Lass dich überraschen!«, sagte ich und zog ihn in die andere Richtung. Schnell weg vom bedrohlichen Abendglühn. Denn ich war müde und auf der anderen Seite war’s schon lange Nacht. Da wollte ich hin. Mit ihm. Es würde uns gut tun, dachte ich.

Dazu gibt’s Musik von Damien Rice:

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