Der Fernweher

Drei Worte aus unbenannter Quelle:

#Fernweh
#Haut
#Maithuna

Vorsicht vor Worten: FSK 40 plus… ihr wisst schon.
Am Ende vorgelesen, und danach sogar noch etwas Musik von Cage the Elephant, weil ich’s halt einfach mag.

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Der Fernweher

Jetzt stehen wir in meinem Flur. Naja… ’stehen’… ein großes Wort, in Anbetracht meiner Lage. Ich lehne neben meinem Sicherungskasten und nur, weil er seinen Körper gegen meinen presst, kippe ich nicht um. Meine Beine sind wie Zuckerwatte, kribbelnder Schaum. Umkippen wäre furchtbar schnell erledigt.
»Hier wohnst du also…«, sagt er mit seinem Mund an meinem Hals.
»Ja…«, hauche ich. »Das ist der Flur, da ist das Wohnzimmer und das Esszimmer, dahinter die Küche,…« Mit meiner freien Hand wische ich fahrig in die ungefähren Richtungen der einzelnen Räume. Meine andere Hand steckt tief in seiner Hose und was sie fühlt, streckt sich ihr entgegen. Wunderbar, denke ich. »…hinter dir ist das Bad«, ergänze ich mit einer weiteren Wischbewegung. Ich frage mich, ob er nach der langen Reise nicht aufs Klo muss? Also ich müsste. Vermutlich sogar sehr dringend. Aber er scheint kein Bedürfnis danach zu haben und er schaut auch gar nicht wohin meine wischende Hand so alles zeigt, er schaut mir in die Augen. Tief und unerschütterlich. Das macht mir Hoffnung.

Seine Jacke streift er sich von seinen Schultern, ohne seine Augen von meinen zu nehmen. Die Jacke fällt auf den Boden, direkt vors Katzenklo. Ich kicke sie dezent mit meinem Fuß zur Seite. Sicher ist sicher, denke ich. Er bemerkt es gar nicht, denn seine Hände sind bereits an meinem Shirt.
So aufregend hat mir noch nie jemand Stoff vom Leib gerissen, denke ich, als er den Fetzen zu seiner Jacke wirft. Meine beiden Hände tun gleiches mit seinem Hemd. Was ich sehe, freut mich. Und ich streiche mit meinen Fingerspitzen über seine haarige Brust. Gänsehaut. Bei ihm und mir. Sein Blick gräbt sich wieder tief zurück in meine Augen.

Nun mein BH. Ein sehr schöner. Neu gekauft. Für ihn. Aber das verrate ich ihm nicht. Alles in allem bleibt es ein heikler Moment, trotz der famosen Lingerie. Ich schaue auf mein Dekolleté, denn ich weiß was gleich passiert: Was jetzt noch tiptop in Form ist, verliert in wenigen Augenblicken seinen Halt. Er weiß das, das erkenne ich an seinem nächsten Blick. Er erinnert sich, dass wir über die Eigenschaften von Brüsten einer Vierzigjährigen gesprochen haben. Da war er gerade in Bangkok und er schwärmte von den kleinen, verspielten Brüsten einer Engländerin, die er dort in einer Bar getroffen und mit auf sein Hotelzimmer nahm. Und ich musste damals so sehr darüber lachen, weil er wie immer so lustig davon erzählte.
Wie viele Brüste er auf seinen Reisen bereits gesehen haben mag? Gleich explodiert mein Schädel. Noch einer dieser Gedanken und er explodiert.

Er durchbricht meinen gedankenvollen Blick auf meine Brüste mit seinem Kuss. Ein sehr langer. Mein Kopf leert sich. Meine Gedanken verschwinden, werden beingleich zu Zuckerwatte. Wie und wohin mein BH verschwindet, bemerke ich nicht. Als sich seine Lippen von meinen Lippen lösen, bin ich bereits obenrum nackt und meine Brüste ruhen sicher und zufrieden in seinen Händen. Er schaut sie an, streichelt sie, sein Blick wechselt in genussvoller Zeitlupe zwischen meinen Augen und meinen Brüsten und er lächelt. Seine Augen strahlen. Als hätte er einen Schatz gefunden, oder Gold. Halleluja, denke ich, ja genau so macht Mann das mit den Brüsten einer untrainierten Vierzigjährigen!

»Schlafzimmer? Wo?«, stakkatot er.
Bei mir reicht es wieder nur für eine wischende Handbewegung.

Mit weltmännischer Gelassenheit tanzt er mit mir in die Richtung in die ich wischte und kümmert sich um den Rest meiner Kleidung. Sie landet überall. Seine legt sich wie von selbst daneben. Als hätte unsere Kleidung das schon immer so getan, nebeneinander gelegen.
Mein Kopf nimmt die Gedanken wieder auf. Und sie begleiten mich über seinen mittlerweile nackten Körper. Sonnenbraun, vom Reisen. Und jetzt hat ihn seine Reise endlich hierher, zu mir, geführt. Wir haben schon so lange davon gesprochen und es geplant und uns feuchte Träume in die Nacht erzählt. Ich nannte ihn schon immer und von unserem ersten gemeinsamen Moment an: Meinen Fernweher… Und ich muss mich jetzt verdammt schnell daran erinnern, warum ich ihn so und nicht anders nenne, befehle ich meinem Kopf. Denn meine, unter seinen Händen vibrierende, Haut will mir andere Gedanken einreden, die sehr viel mit einem lächerlichen »für immer« zu tun haben. Und eine große Lüge sind und schon immer waren. Für immer… gibt es für uns nicht. Und das macht uns glücklich.

Also schnell zurück zum Jetzt. Dem Jetzt von dem wir gemeinsam so viel geschwärmt haben. Es ist mein Augenblick mit meinem Fernweher. Ich bin ein Ziel auf seiner ewigen Reise, ein heller Fleck auf seiner Landkarte. Die Oase, sagte er einmal.
In welchem Land er wohl den Trick mit der Zunge an meinem Bauchnabel gelernt hat?
Ich denke an die fünf hinduistischen Objekte der Begierde. Er nennt sie die fünf M’s, die sich so herrlich zum sinnlich geseufzten ‚hmmmm‘ formen lassen.
Madya, mamsa, mudra und matsya ignorieren wir fürs Erste. »Maithuna«, raune ich nah bei seinem Ohr. Und es ist die einzige Begierde, die gerade noch für uns zählt und wir nehmen uns Zeit für die Reise über unseren Körper.

Es ist bereits Nacht als wir uns Herz und Kopf zugewandt gegenüber liegen. Trotz der Dunkelheit erkenne ich das Funkeln in seinen Augen, vielleicht ist es auch mein Funkeln in meinen Augen.
Ich fahre die Konturen seines Körpers mit meinen Fingerspitzen nach. Neue Gänsehaut wirft Schatten auf seine Haut.
»Wie lange bleibst du?«, frage ich. Und freue mich über meinen Mut.
»Mein Fernweh kommt und geht in Wellen. Und ich reise ihm hinterher. Morgen, Übermorgen oder in Jahren«, philosophiert er. »Ich bin dein Fernweher«, höre ich ihn noch sagen, bevor wir nochmal einen Teil seiner Reise gemeinsam reisen.

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