Das Leben, gerade eben

Drei Worte, diesmal getarnt als Kühlschrankinhalt.

#Käse
#Möhren
#Milch

»Mehr haben wir nicht mehr?«
»Tee… wir haben noch Tee. Ich glaube Hagebutte oder Fenchel! Im Regal in der Abseite… ganz hinten.«
J. schlug die Kühlschranktür zu. Die Milchtüte wippte bedenklich, ob der Erschütterung, die sich in der leeren Frosthölle zu potenzieren schien.
»Ich hasse Tee. Ich hasse die Abseite. Ich hasse mein Leben, gerade eben!«
»Du übertreibst.«
»Nein… ich eskaliere!«
M. kam in die Küche, um J. in den Arm zu nehmen. J. lies es zu. So gerade eben.
»Auf was hast du Hunger?«, fragte M. und drückte sich etwas enger in die warme Umarmung, in der sie beide mittlerweile verschlungen waren.
»Nicht auf Möhren, Käse, Milch…«, sagte J. und strich M. behutsam über den Rücken. Es war fast wie ein Streicheln, fand M..
»Und deinen Tee kannste selber trinken! Ich brauch jetzt dringend was gescheites zu Essen.«
M. zog sich ein kleines Stückchen aus J. Armen.
»Dann los, lauf… schlachte eine Kuh, ich werde den Grill anfeuern!«
»Ich lebe vegetarisch…und du auch…«
»Ich weiß. Wollte dich zum Lächeln bringen. Mehr nicht.«
J. lächelt. M. lächelt. Es hat geklappt, dachte M.
»Ob es vielen Menschen so geht wie uns? Ob gerade in diesem Moment viele Jotts und Ähms vor einem fast leeren Kühlschrank, sich im Arm halten und einfach hungrig sind?«
»Hm…« M. musste darüber nachdenken. »Es wäre schön, wenn es so wäre…«
»Meinst du geteiltes Leid ist halbes Leid?«
»Nein, anders rum…« Sie zog sich wieder ganz eng zurück in J. Arm. »Geteilte Freude ist doppelte Freude…«
Sie lächelten beide. Und bestellten zwei Pizzen, einen Salat und zwei Flaschen Bier beim Lieferdienst. Wundervolles Leben, gerade eben.

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