999 Worte für ‚Thea‘

#Schokostreusel #Quatsch und #Blume.

Am Ende mit Musik von Radiohead, keine Überraschung quasi.

999 Worte für ‚Thea‘ … ab hier:

»Ich nehme einen Kaffee und die Waffel mit Vanille Eis und heißen Kirschen. Dankeschön!« Ich lächle der Bedienung zu. Sie scheint zufrieden mit meiner Bestellung, genau wie ich.
»Für mich nur Kaffee und ein Mineralwasser. Still.«
Ich kann kaum glauben, was ich da höre und erstarre mit meinem Blick genau auf Theas Gesicht. Nicht zucken, nur starren, bis sie meine Verachtung registriert, mahne ich mich selbst.
Thea starrt zurück. Da kennt sie nix.
»Das ist alles?«, fragt die Bedienung. Sie ist genauso entsetzt wie ich.
Thea schweigt, wie es so ihre Art ist, wenn sie etwas ignoriert und wir starren uns weiter stumm in die Augen. Wir sind geübt.
Die Bedienung zieht ab. Aus dem Augenwinkel vermute ich ein Kopfschütteln. Verständlich, wie ich finde.
Thea und ich, wir verharren. Wer zuerst zuckt, stirbt.
Thea stirbt zuerst. Sie verzieht ihren einen Mundwinkel zu einem hämischen Grinsen. Keine kann das so toll wie sie.
»Lass mich raten, du beißt dir gerade gedanklich in die geballte Faust, um bloß keinen fiesen Spruch rauszulassen…«
Jetzt grinse ich auch, lange nicht so toll wie sie. Aber unser Starren hat damit ein Ende.
Thea erklärt sich: »Weißt du, ich mache Diät!«
Ruhig bleiben, sage ich mir. Also lege ich all mein Unverständnis und sämtliche mir mögliche entgleisende Gesichtszüge, gleich wie ein herzhaftes Augenrollen in meine Fragen: »Wozu? Waren wir uns nicht einig, dass das gequirlte Kacke ist? Und unser schönes Leben ruiniert?«
Ich sehe, wie es in Theas Hirn rattert. Dann trifft sie eine Entscheidung, und zuckt mit den Schultern.
»Eh… du hast ja recht.« Sie ruft der Bedienung hinterher: »Für mich auch die Waffel… aber machen Sie bitte noch Schokostreusel auf das Eis, ja? Danke!«
»Geht doch«, sage ich. Auch die Bedienung scheint erleichtert.
Wir haben uns viel zu lange nicht gesehen, wie ich finde. Nur hier und da mal ein paar Mails, ein paar Whatsapps… ein Treffen war lange überfällig. Es ist schön und nötig, sie zu sehen.
»Ich lese deine Geschichten«, sagt Thea.
»Das freut mich. Erkennst du dich wieder, wenn ich über dich schreibe?«
»Ja… leider…« Sie lächelt dabei, also ist es nicht wirklich ein »Leider«, hoffe ich.
Ich lächle zurück.
Unsere Waffeln samt Kaffee kommen. Und wir beide seufzen hörbar über diesen herrlichen Anblick, als wir beinahe synchron das Vanilleeis mit unseren heißen Kirschen übergießen und damit zum Schmelzen bringen. Was ein Genuss. Ekstase pur.
»Du schreibst zu viel über Sex!«, sagt Thea und schiebt sich ein Stück Waffel in den Mund.
»Warum? Macht’s dich geil?« Auch ich beginne meine Waffel zu essen und nippe am Kaffee.
»Nein«, sagt Thea und ich weiß sie lügt. »Aber du könntest dadurch die Männer verschrecken.«
»Welche Männer? Männer, die mich gerade interessieren, lesen nicht. Schon gar nicht meinen kleinen Blog. Den liest ja eh keiner.« Jajaja, in dem letzten Satz schwang wirklich zu viel Selbstmitleid mit und so war das auch gar nicht gemeint. Aber… nun gut… es ist raus.
»Was?« Thea verschluckt sich fast an ihrer Waffel und übergeht mein Selbstmitleid. »Du willst keinen Mann der lesen kann?«
»Doch doch, er soll schon lesen können. Aber eigentlich wäre mir das egal. Zurzeit.«
»Oar, du…«, sagt Thea. »Aber dann schreibst du erstrecht zu viel und zu genau vom Sex.«
»Es macht dich also doch geil. Du musst dich nicht schämen. Masturbiere ruhig über meine Worte. Stört mich nicht.« Ich grinse im Kreis.
»Nein, bleib doch mal ernst, mensch!« Thea ist sichtlich gereizt und knallt ihre kleine Gabel auf den leeren Teller. »Ich erzähl dir jetzt mal wie’s läuft in der Welt: Du lernst jemanden kennen…auf einer Party oder so, ihr tanzt, knutscht, verabredet euch für nächste Woche. Irgendwann oder direkt auf dem Weg nach Hause wird er nach dir googeln. Dann diesen Blog finden. Dann deine Geschichten über Dates, Regeln für Dates und was du sowieso alles Kacke findest, lesen und dich dann nie wieder anrufen… Vermutlich verbrennt er direkt sein Handy.«
Meine Augen werden immer größer. Wo das wohl noch hinführen mag?
»Du verschreckst die Kerle mit all deinen Gedanken, die du dir immer über Dates und Sex und deine Brüste machst!«
»Ach quatsch…«, sage ich und will ernsthaft hoffen, dass es Quatsch ist.
»Doch!« Thea nimmt ihre Gabel wieder in die Hand und versucht die letzten Schokostreusel aufzupieken. Sie gibt schnell auf und nimmt ihren Finger. »Denk nur mal an deine verbale Bewertung des Typen mit der 1. FC Köln Boxershorts.«
»Ja, das war eine lustige Geschichte, gell?«
»Ja…«, sagt Thea. »Trotzdem, wenn das ein Mann liest…« Sie schüttelt mit dem Kopf, um die Gedanken zu verwerfen. »Schreib’ doch mal über Blumen. Oder was Kritisches zur Weltlage. Ich weiß, du hast hervorragende Gedanken dazu. Sei eine verführerische, wortgewandte Philosophin. Das kannst du doch so gut. Und darauf stehen die Männer, zumindest die, die zu dir passen könnten.«
»Ach was«, sage ich.
Ich muss einen Augenblick darüber nachdenken und klaue von Theas Teller einen letzten übrig gebliebenen Schokostreusel.
Thea lässt leider nicht locker. »Sag ehrlich, suchst du nicht nach der großen wahren Liebe? Den Einen? Den Richtigen? Den, der ein ‚Für immer‘ wieder denkbar macht?«
Damit trifft sie etwas in mir. Etwas worüber ich nicht nachdenken wollte. Nicht jetzt. Und vermutlich auch nicht morgen. Vielleicht irgendwann. Vermutlich nie. Vermutlich nie wieder.
»Entschuldige«, sagt Thea. »Zu früh, oder?«
Ich brauche nicht zu nicken, um das Thema zu beenden. Thea versteht. Wir trinken beide noch einen weiteren Schluck Kaffee.
»Ich hab jetzt übrigens das Abo von Erika Lust«, sage ich.
»Und?«, fragt Thea.
»Gut«, sage ich. »Wir können es uns teilen. Ich geb dir meine Zugangsdaten.«
»Gern«, sagt Thea. »Deine Geschichten machen mich zwar geil, aber zum Masturbieren reicht es lange nicht!«
Wir lachen.
»Du wirst über diese Unterhaltung eine Geschichte schreiben. Oder?«, fragt Thea.
»Vermutlich«, sage ich. »Willst du dir drei Worte dafür wünschen?«
»Natürlich…« Sie überlegt nur kurz. »Meine Worte sind: #Schokostreusel #Quatsch und #Blume.«
»Du weißt, dass ich dann wieder über Sex schreibe?«
»Überrasch mich!«, sagt Thea und bestellt zwei Kaffee und weitere Waffeln mit Vanilleeis, heißen Kirschen und Schokostreuseln.


No surprises:

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